WIEN 1900
AUFBRUCH IN DIE MODERNE

Ab 16.03.2019

Die umfassende, sich über drei Ebenen erstreckende Ausstellung präsentiert den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche, die geprägt war vom Aufbruch der Secessionisten bis hin zum Untergang der Monarchie und dem Tod herausragender Künstler der Wiener Moderne wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser oder Otto Wagner im Jahr 1918.

Die Neupräsentation zeigt nicht nur Meisterwerke aus der Sammlung des Leopold Museum, sondern ermöglicht es – mit nationalen und internationalen Dauerleihgaben – das Fluidum jener pulsierenden Zeit mit all ihren Gegensätzlichkeiten darzustellen. Die Donaumetropole war gleichermaßen die Stadt des Hochadels und der liberalen Intellektuellen, der prachtvollen Ringstraße und endloser Armenviertel, des Antisemitismus und des Zionismus, des starren Konservatismus und der einsetzenden Moderne. Glanz und Elend, Traum und Wirklichkeit, Selbstauflösung und Neuaufbruch bezeichnen den ästhetischen Pluralismus und markieren das Wien jener Zeit als Versuchsstation bzw. Ideenlaboratorium und also als zentralen Motor einer turbulenten Erneuerungsbewegung. In diesem heterogenen Milieu – Arnold Schönberg sprach von der „Emanzipation der Dissonanz“ – fand jene einzigartige Verdichtung an Kulturleistungen statt, die uns heute von Wien um 1900 als einem Quellgrund der Moderne sprechen lässt. Dieser Aufbruch fand in den unterschiedlichsten Disziplinen statt, von der Malerei und den grafischen Künsten, über Literatur, Musik, Theater, Tanz und Architektur bis hin zu Medizin, Psychologie, Philosophie, Rechtslehre und Ökonomie.

Nach einer Ouvertüre zur Makart-Zeit und zu den Ausformungen des Realismus und Stimmungsimpressionismus österreichischer Provenienz, stehen in der Präsentation die innovativen Leistungen der Secessionisten (Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll etc.) und die Idee des Gesamtkunstwerkes, welches – nicht zuletzt durch die angewandte Kunst – die Durchdringung aller Lebensbereiche durch Kunst ermöglichte – im zentralen Fokus der vierten Ausstellungsebene. In der dritten Etage wird die Überwindung der Stilkunst durch die Vertreter des österreichischen Expressionismus (Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele etc.) gezeigt. Die Tendenzen der Selbstauflösung im Politischen, Gesellschaftlichen und vor
allem im Individuellen konnten die malerischen Seelenforscher des Expressionismus nicht mehr negieren und schlugen einen radikal anderen Weg ein. Den Schlussakkord der Schau setzen im Erdgeschoß die facettenreichen künstlerischen Ausformungen, die zwischen abstrahierend- expressionistischem Stil (Anton Kolig, Herbert Boeckl, Marie-Louise von Motesiczky etc.) und Positionen der Neuen Sachlichkeit (Rudolf Wacker, Otto Rudolf Schatz, Greta Freist etc.) oszillieren.

Ein ExpertInnengremium unterstützte auf Einladung von Direktor Hans-Peter Wipplinger dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt in Form zahlreicher abgehaltener Symposien, die 2018 im Leopold Museum zusammen mit dem museologischen Team stattgefunden haben. Zum ExpertInnenrat zählen Andrea Amort (Tanz), Bazon Brock (Ästhetik), Monika Faber (Fotografie), Allan Janik (Philosophie und Ökonomie), Stefan Kutzenberger (Literatur), Diethard Leopold (Sammlungsgenese), Monika Meister (Theater), Therese Muxeneder (Musik), Ernst Ploil (Angewandte Kunst), Ivan Ristić (Architektur), August Ruhs (Psychologie), Daniele Schmid (Jüdische Kultur), Burghart Schmidt (Philosophie), Thomas Zaunschirm (Kunstgeschichte). Die Erkenntnisse fließen durch verschiedene Artefakte in die Präsentation mit ein.

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