Egon Schiele, Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912 © Leopold Museum, Wien, Inv. 653

EGON SCHIELE

Egon Schiele (1890-1918) schuf in seinem kurzen, von der Spanischen Grippe beendeten Leben ein Œuvre, das für seine Zeit zugleich symptomatisch wie wegweisend war und ihn zu einer der prägendsten und schillerndsten Figuren der Wiener Moderne macht. Seine frühe Neigung zum Zeichnen führte Schiele bereits 1906 an die Wiener Akademie in die Klasse von Christian Griepenkerl, deren rigide Strukturen aber nicht seinen Vorstellungen entsprachen. Mit der Gründung der Neukunstgruppe im Sommer 1909 und aufsehenerregenden, teils umjubelten und teils verteufelten Auftritten auf dem Wiener Kunstparkett wurde er in den darauffolgenden Jahren zum Wortführer einer Generation von jungen, ehrgeizigen Künstlern, überzeugt von der Qualität seiner Kunst und ausgestattet mit einem Sinn für das Netzwerken.

Im Mittelpunkt seines künstlerischen Interesses stand die Reflexion der eigenen Existenz, die sich in zahllosen Selbstdarstellungen aber auch in seinen Landschafts- und Städtebildern niederschlug. Schiele stilisierte sich in seinen Werken und Briefen als Wissender und Sehender, als Medium einer intensiven Wirklichkeitsempfindung und Wahrheitsschau. Mittels exaltierter Gestik und Mimik brachte er die Dringlichkeit der schonungslosen Körperbefragung zum Ausdruck, und postulierte die Selbstreflexion gleichsam als Engführung von Leiblichkeit und Sexualität mit existentiellen Fragestellungen. Damit fand Schiele auf der Ebene der bildenden Kunst visuelle Analogien für jene in Philosophie, Psychologie, Literatur und Theater in Wien um 1900 so vielgestaltig thematisierte Krise des Individuums.

Das Leopold Museum beherbergt mit 42 Gemälden, 184 Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie zahlreichen Autografen und Varia die größte und bedeutendste Schiele-Sammlung der Welt.

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