Egon Schiele, "Moa", 1911 © Leopold Museum, Wien

Egon Schiele, Moa

1911

Das Aquarell zeigt eine gänzlich in farbintensiv gemusterten Stoff gehüllte, in die Vertikale gelängte Figur, wobei die geometrischen Muster der Draperie die darunter verborgene Gestalt verschleiern. Der Entzug des Körpers wird betont, denn einzig der Kopf im Dreiviertelprofil und eine Hand ragen aus dem Massiv hervor. Aus dem fahlen Gesicht fällt der Blick aus dem Augenwinkel über die Schulter auf den Betrachter – abschätzig, verschlagen, dramatisch. Egon Schiele hat hier die Tänzerin Moa dargestellt, die gemeinsam mit seinem Malerkollegen Erwin Dominik Osen auftrat. Beide waren Schiele freundschaftlich verbunden und standen ihm mit ihrer exaltierten, für die Bühne gedachten Körpersprache wiederholt Modell. Die Darstellung vergegenwärtigt, wie weit Schiele bereits 1911 über sein Vorbild Klimt hinausgegangen war. Er überformte den Typus der Klimt'schen Gewandfigur hin auf eine der Expressivität verpflichtete Körperlichkeit.

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