Egon Schiele, Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung), 1910 © Leopold Museum, Wien, Inv. 465

Egon Schiele, Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung)

1910

In seinen so radikalen wie obsessiven Selbstinszenierungen bringt Egon Schiele seinen Körper gleichsam auf die Bühne und dekliniert ihn in Mimik und Gestik bis an die Grenzen des anatomisch Möglichen. Einen frühen Höhepunkt bildet das 1910 entstandene Gemälde Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung). Der 20-jährige Künstler zeigt sich nackt, in einer fast schon schmerzenden Körperlichkeit. Nicht die Haut und mit ihr die sinnliche Oberfläche des Körpers wird zur Schau gestellt sondern jede Sehne, jeder Muskel, jeder Knochen ist betont und lässt der Leib als beinahe gehäutet erscheinen. Der fragmentierte Körper ist auf die Leinwand geworfen, die keinen narrativen Kontext bietet. Weit entfernt von einem naturalistischen Kolorit kontrastiert der gelbgrüne Leib die signalrot markierten Augen, Brustwarzen, Nabel und Genitalien. Schieles in zahllosen Selbstdarstellungen verfolgte Suche nach dem Ich wird zur Reflexion auf die Quintessenz des Menschseins, in dem Eros und Thanatos die Hauptrollen spielen.   

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