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Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt

Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt, 1904/05 © Leopold Museum, Wien, Inv. 637

Richard Gerstl, Selbstbildnis als Halbakt

1904/05

Das Selbstbildnis als Halbakt ist eines der frühesten Selbstportraits von Richard Gerstl und gleichzeitig eines der radikalsten: Vor blauem Hintergrund präsentiert sich der Künstler in schutzloser Frontalität, den hageren Oberkörper entblößt und um die Hüften ein Lendentuch geschlungen. Die Präsenz des Körpers scheint den dunklen Umraum zu erhellen, die Figur wird zur auratischen Erscheinung. Der selbstbewusste Blick sucht das Gegenüber und offeriert ihm zugleich ein auf das Existentielle konzentriertes Spiegelbild. Während weite Passagen des Gemäldes in skizzenhaften, vorläufigen Pinselstrichen geschaffen oder wie im Bereich des Lendentuchs kaum bearbeitet wurden, ist das Gesicht des Dargestellten präzise ausformuliert. Durch diese stilistische Differenz wird die Sogwirkung des suggestiven, fixierenden Blicks verstärkt. Gerstl schuf das Bild 1904/05, noch vor seiner Hinwendung zur gestischen, expressiven Malweise, die den Stil seiner letzten Schaffensjahre charakterisieren sollte.

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