GUSTAVE COURBET, Der Mann mit der Pfeife, um 1849 © Musée Fabre, Montpellier Méditerranée Métropole | Foto: Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole/Frédéric Jaulmes
19.02.2026-21.06.2026
GUSTAVE COURBET
Realist und Rebell
Die großangelegte Retrospektive im Leopold Museum ist die erste Gustave Courbet gewidmete Einzelausstellung in Österreich, die Werke aus allen Schaffensphasen vereint und einen umfassenden Überblick über sein malerisches und grafisches Œuvre bietet. Courbet gilt als bedeutendster Vertreter des Realismus, der sich kühn über die idealisierenden Konventionen der Kunst des 19. Jahrhunderts hinwegsetzte. Sein selbstbewusstes Auftreten, die Betonung seiner künstlerischen Autonomie, seine Lust an Provokation sowie seine revolutionäre Malweise machten ihn in Frankreich und im Ausland bekannt. Courbet nutzte diese öffentliche Wahrnehmung geschickt zu seinen Gunsten und pflegte sein Image als Rebell der Kunstszene. Zugleich zeigt der „Träumer“ Courbet in Porträts, Landschaften und Stillleben eine stille, nachdenkliche Welt, die im Kontrast zu den hektischen – politischen wie industriellen – Umbrüchen seiner Zeit steht.
Die Schau steht unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich, sowie unter der Schirmherrschaft des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
Kuratoren: Niklaus Manuel Güdel, Hans-Peter Wipplinger
Wissenschaftliche Mitarbeit: Anne-Sophie Poirot
Assistenz-Kuratorin und Projektkoordinatorin: Lili-Vienne Debus
Courbet nutzte das Selbstporträt, besonders in den 1840er-Jahren, als Experimentierfeld für seinen Realismus und zur Darstellung menschlicher Emotionen. Er zeigt sich nicht als distanzierter Beobachter, sondern als Protagonist unterschiedlichster psychologischer Befindlichkeiten: mal selbstbewusst und stark, mal verzweifelt, verbittert oder melancholisch.
In den rund 50 zeitlebens von ihm geschaffenen Selbstbildnissen inszeniert er sich in wechselnden Rollen und Stimmungen, oft mit theatralischer Gestik und Mimik – vom leidenden Verwundeten über den vor Angst Wahnsinnigen bis hin zum einfühlsamen Musiker oder Pfeife rauchenden Einzelgänger. Courbet betrieb bewusst Selbstdarstellung, nutzte sie als Markenzeichen und störte sich nicht am Narzissmus-Vorwurf; im Gegenteil, Karikaturen steigerten seine Bekanntheit und seinen Marktwert.
„Im Laufe meines Lebens habe ich viele Selbstporträts angefertigt – stets im Spiegel meines sich wandelnden Geisteszustandes; mit einem Wort: Ich habe mein Leben geschrieben.“
Gustave Courbet, 1854
GUSTAVE COURBET, La Rencontre ou Bonjour Monsieur Courbet | Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet, 1854 © Musée Fabre, Montpellier | Foto: Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole/Frédéric Jaulmes
In diesem Meisterwerk inszeniert sich Courbet bei einer Begegnung mit seinem Mäzen und Sammler Alfred Bruyas und dessen Diener als selbstbewusste und freie Künstlerpersönlichkeit. Das Werk steht als Programmbild für die Unabhängigkeit des Künstlers, der keinen Kniefall mehr gegenüber seinem Sammler zu machen hat. Im Gegenteil, der Künstler ist mehr als auf Augenhöhe mit seinem reichen Förderer, überragt ihn in Körpergröße und wirft im Gegensatz zu den beiden anderen einen Schatten. Dergestalt ist dieses Gemälde als Manifest des Realismus für den Freigeist Courbet zu begreifen, dem Individualismus und Freiheit über alles gehen.
GUSTAVE COURBET, L’Après-dînée à Ornans | Nach dem Abendessen in Ornans, 1849 © Lille, Palais des Beaux-Arts | Foto: GrandPalaisRmn (PBA, Lille)/Philipp Bernard
In den sieben Jahren von 1848 bis 1855 entstanden die bahnbrechenden gesellschaftskritischen Werke Courbets, mit denen er als Maler mit sozialer Verantwortung und dem Ziel, Wahrhaftigkeit in die Kunst zu bringen, Aufsehen erregte. Die akademischen Konventionen seiner Zeit lehnte Courbet ab und richtete seinen Blick auf die Antihelden, die einfachen Männer und Frauen des Alltags, denen er in seinen Darstellungen Würde verlieh. Das an Idealisierung und Romantizismus gewöhnte Publikum war freilich von den vermeintlich banalen Themen aus dem Alltagsleben, dem direkten Blick auf die soziale Wahrheit und den neuartigen ästhetischen Werten, die als hässlich wahrgenommen wurden, irritiert. Erst später erkannte man, dass sich Courbet durch diese neue Authentizität als Pionier des modernen Realismus in die Kunstgeschichte eingeschrieben hat.
„Um ein Land zu malen, muss man es kennen. Ich kenne mein Land, ich male es.“
Gustave Courbet
Courbet verbrachte Kindheit und Jugend in der Franche-Comté, einer Region, deren geologische Besonderheiten ihn und seine Malerei prägten. Rund ein Drittel seines Gesamtwerks entstand hier, insbesondere um seinen Geburtsort Ornans. Selbst nach seiner Übersiedlung nach Paris kehrte er fast jährlich für mehrere Monate zurück. Ob abgeschiedene Bachläufe oder Wasserfälle, begrünte Hochebenen oder Täler, dichte Wälder und Felsformationen oder mystische Quellen und Grotten: Für Courbet stellte die raue Natur eine Metapher für die unverfälschte Wahrheit dar, die sein oberstes Prinzip beim Malen war. Mit diesem Zugang verabschiedete sich Courbet von der damals vorherrschenden, idealisierenden Landschaftsmalerei. Besonders seine Darstellungen von Grotten und Quellen, die er mit intensivem Einsatz von Palettenmessern malt bzw. spachtelt, gelten aufgrund ihrer technisch unkonventionellen Malweise sowie der realistischen, äußerst nahsichtigen Motivik als wegweisend für die moderne Malerei.
Nie zuvor war Sexualität so direkt und ohne mythologische Verklärung dargestellt worden wie in Der Ursprung der Welt. Courbet zeigt einen weiblichen Körper in radikaler Nahsicht: kopf- und armlos, der unverhüllte Schoß im Zentrum des Bildes. Die sinnliche Erotik des Werks entfaltet sich in der Darstellung der nackten Haut und wird durch das halb verdeckende weiße Laken noch gesteigert. Courbet schuf das Gemälde bewusst für die private Sphäre; im 19. Jahrhundert wäre eine öffentliche Präsentation undenkbar gewesen. Erst 1995 wurde das Werk erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
GUSTAVE COURBET, Der Ursprung der Welt, 1866 © Paris, musée d‘Orsay, Foto: Grand Palais RMN (Musée d’Orsay)/Hervé Lewandowski
„Wenn ich dereinst nicht mehr lebe, soll man sagen: ‚Dieser Mann gehörte nie einer Schule, keiner Kirche, keiner Institution, keiner Akademie und insbesondere keinem Regime an, ausgenommen dem Regime der Freiheit.‘“
Gustave Courbet, 1870
Mit dem Sturz des Kaisertums 1870 und der Pariser Kommune 1871 tritt Courbet politisch in Erscheinung und entwickelt sich zu einer führenden Persönlichkeit, ein Engagement, das ihm jedoch zum Verhängnis wird. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Kommune wird er zu sechs Monaten Haft verurteilt und fällt bei der neuen Regierung in Ungnade. Unbeirrt plant Courbet nach seiner Entlassung eine große Präsentation seiner Werke zur Wiener Weltausstellung 1873, die jedoch aus politischen und organisatorischen Gründen nur sehr unvollständig realisiert werden kann. Statt der geplanten Retrospektive werden lediglich sieben Werke im Rahmen einer Gruppenausstellung des Österreichischen Kunstvereins gezeigt. Courbet selbst reist nicht an, erwog jedoch laut Zeitzeugen sogar eine Übersiedlung nach Wien, bevor er ins Schweizer Exil ging, wo er 1877 verstarb.
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Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem

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GUSTAVE COURBET, Panorama des Alpes | Panorama der Alpen, um 1876 © MAH Musée d’art et d’histoire, Ville de Genève | Foto: Musée d’art et d’histoire, Ville de Genève/Bettina Jacot-Descombes





