JOSEF GASSLER, Porträt der Halina Wittlin-Moser (Detail), um 1928 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Graphisches Atelier Neumann
24.04.2026-11.10.2026
PREMIERE!
Die Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ist vor allem dafür bekannt, im Rahmen der Zusammenarbeit mit den anderen Notenbanken in Europa und der europäischen Zentralbank für die Wahrung von Preis- und Finanzmarktstabilität und die Sicherstellung des baren und unbaren Zahlungsverkehrs zu sorgen. Weniger bekannt ist, dass sie seit den 1890er-Jahren auch eine umfangreiche Kunstsammlung besitzt.
Seit den späten 1980er-Jahren konzentriert sich die Kunstsammlung der OeNB auf die österreichische Malerei und Skulptur von 1918 bis in die Gegenwart. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Kunst der Zwischenkriegszeit – der Neuen Sachlichkeit und dem Post-Expressionismus – sowie auf der geometrischen und gestischen Abstraktion nach 1945. Dadurch eröffnet die Sammlung einen prägnanten Querschnitt durch zentrale Tendenzen der österreichischen Kunst und erfüllt ihren Anspruch, die künstlerische Entwicklung im Land nachhaltig zu fördern.
1994 unterstützte die OeNB maßgeblich die Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung und trug damit entscheidend zur Erfolgsgeschichte des Museums bei. Die Ausstellung würdigt diese enge Verbindung und macht das Engagement der OeNB für Kunst und Kultur sichtbar.
Kurator*innen: Chiara Galbusera, Hans-Peter Wipplinger
Kuratorische Assistentin: Barbara Halbmayr
TICKETS
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der

NEUE SACHLICHKEIT IN ÖSTERREICH
Mit nüchternem, scharfem und unsentimentalem Blick machten die Künstler*innen der Neuen Sachlichkeit das Alltägliche und scheinbar Banale zum Bildthema. Geprägt von den Schrecken des Ersten Weltkrieges und seinen Folgen, suchten sie Halt in vertrauten Motiven: Landschaften, Porträts und Stillleben. In altmeisterlichen Techniken ausgeführt, drücken diese Arbeiten die Sehnsucht nach Klarheit, Stabilität und Ordnung aus. Menschen und Gegenstände werden mit emotionsloser Distanz inszeniert; Landschaften und Stadtansichten erscheinen oft menschenleer. Pflanzen – als Topfpflanzen, häufig Kakteen, oder als Schnittblumen – sind wiederkehrende Motive und symbolisieren die Widerstandskraft der Natur trotz unbehaglicher Umstände.
FRANZ SEDLACEK, Lied in der Dämmerung, 1931 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Graphisches Atelier Neumann
„Mystiker der Neuen Sachlichkeit“ wird Franz Sedlacek als Vertreter des Magischen Realismus auch genannt. Im Brotberuf Chemiker, widmete sich der Autodidakt abends dem Experiment Malerei und förderte Unheimliches zutage. Ähnlich dem Blick durch einen Guckkasten eröffnet der tiefenräumliche Sog des Bildes den Betrachtenden die Möglichkeit, in eine andere Welt einzutauchen und einer surrealen Szene beizuwohnen: Behaglichkeit weicht der Beklemmung und das vermeintlich Vertraute kippt ins Absurde.
ABSTRAKTIONEN
Abstraktion gehört zu den prägenden Strömungen der österreichischen Kunst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die abstrakte Formensprache bedeutete eine bewusste Abkehr von Realismus und gegenständlichen Darstellungen, die zuvor mit totalitären Ideologien, besonders dem Nationalsozialismus, verbunden waren.
Ein wichtiger Impuls geht von der Kunstrichtung des Informel aus, was „ohne Form“ bedeutet. Das Informel knüpft an die abstrakten Formensprachen der historischen Avantgarden sowie an den Automatismus des Surrealismus an. Ziel ist es, das Gegenständliche ebenso wie die bis dahin gültigen Regeln der Komposition zu überwinden. Farbe wird in Klecksen oder in schnellen, gestischen Bewegungen frei auf die Leinwand aufgetragen. Die entstehenden Gebilde sind unmittelbare Spuren der körperlichen Bewegung der Künstler*innen. Dadurch rücken nicht nur der künstlerische Prozess, sondern auch der Körper als zentrales Ausdrucksmittel in den Fokus – ein wichtiger Schritt hin zu performativen Formen künstlerischer Praxis.
GESTISCHE ABSTRAKTION UND NEUE FIGURATION
Viele der jungen Maler Österreichs in den 1980er-Jahren, wie etwa Herbert Brandl, Gunter Damisch, Erwin Bohatsch oder Hubert Scheibl, praktizierten auch hierzulande eine Stilrichtung, die man als Neue Wilde bezeichnete. Die wichtigsten Merkmale sind farbintensive, expressiv abstrahierende Ausformungen sowie gegenständliche Motive, die meist aus einer wilden, dynamischen Geste entstehen und den individuellen Befindlichkeiten und Energien entsprach. Mit den ausgehenden 1980er-Jahren entwickelten die verschiedenen Protagonist*innen einen jeweils eigenständigen Stil, der von gestisch-abstrakten Ansätzen über lyrisch- informelle Ausformulierungen bis hin zu einer nahezu monochromen Farbfeldmalerei reicht.
Herbert Brandls Formensprache ist die Abstraktion – und doch bleibt die Natur in seinem Werk stets spürbar. In den 1980er-Jahren wurde der Künstler als einer der Neuen Wilden bekannt und für seinen expressiven, direkten und kraftvollen Malstil geschätzt. Dieses Werk gehört zu einer Serie, die Brandl dem steirischen Fluss Salza widmete, um auf die Gefährdung von dessen Ökosystem durch Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Der schnelle, intuitive Pinselduktus des Künstlers eignet sich ideal, um die Energie und die Fragmentierung des Wassers – besonders in dem tosenden Wasserfall – atmosphärisch einzufangen.
HERBERT BRANDL, Ohne Titel, 2019 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Christoph Fuchs © Bildrecht, Wien 2026
GEOMETRISCHE ABSTRAKTION
In Österreich gibt es seit den 1960er-Jahren Künstler*innen, die die Geometrie als strategischen Ansatz nutzen, um Fragen des Raumes, des Rhythmus, der Autor*innenschaft, der Materialität oder der Zeit anzusprechen. Ein Querschnitt dieser Positionen über mehrere Generationen findet sich auch in der Sammlung der OeNB: von Roland Goeschl über Gerwald Rockenschaub und Franz Graf bis hin zu Heimo Zobernig, Svenja Deininger oder Esther Stocker. Die Betrachtung der ausgestellten Arbeiten zeigt, wie weit das Feld von Abstraktion und Geometrie gefasst ist und wie ähnliche Formen aus sehr unterschiedlichen theoretischen Ansätzen hervorgehen können.
KÜNSTLER*INNEN
Robin Christian ANDERSEN | Joannis AVRAMIDIS | Markus BACHER | Werner BERG | Albert BIRKLE | Erwin BOHATSCH | Herbert BRANDL | Ernst CARAMELLE | Gunter DAMISCH | Svenja DEININGER | Albin EGGER-LIENZ | Lisl ENGELS | Anton FAISTAUER | Werner FEIERSINGER | Greta FREIST | Josef GASSLER | Roland GOESCHL | Franz GRABMAYR | Franz GRAF | Albert Paris GÜTERSLOH | Felix Albrecht HARTA | Julia HAUGENEDER | Karl HAUK | Carry HAUSER | Herbert HINTEREGGER | Oskar HÖFINGER | Wolfgang HOLLEGHA | Ludwig Heinrich JUNGNICKEL | Martha JUNGWIRTH | Birgit JÜRGENSSEN | Franco KAPPL | Soli | KIANI | Michael KIENZER | Erika Giovanna KLIEN | Robert KLOSS | Oskar KOKOSCHKA | Anton KOLIG | Peter KRAWAGNA | Suse KRAWAGNA | Oskar LASKE | Maria LASSNIG | Jürgen MESSENSEE | Josef MIKL | Carl MOLL | Ulrike MÜLLER | Zoran MUŠIČ | Oswald OBERHUBER | Max OPPENHEIMER | Josef PILLHOFER | Tobias PILS | Viktor PLANCKH | Herbert PLOBERGER | Rudolf POLANSZKY | Markus PRACHENSKY | Arnulf | RAINER | Maximilian REINITZ | Herbert REYL-HANISCH | Alois RIEDL | Gerwald ROCKENSCHAUB | Hubert SCHEIBL | Alfons SCHILLING | Florian SCHMIDT | Franz SEDLACEK | Esther STOCKER | Andreas URTEIL | Walter VOPAVA | Rudolf WACKER | Manfred WAKOLBINGER | Alfons WALDE | Max WEILER | Franz WEST | Alfred WICKENBURG | Franz WINDHAGER | Fritz WOTRUBA | Erwin WURM | Franziska ZACH | Otto ZITKO | Heimo ZOBERNIG | Franz von ZÜLOW
GERWALD ROCKENSCHAUB, Ohne Titel (Detail), 2017 © Oesterreichische Nationalbank/Kunstsammlung | Foto: OeNB/Christoph Fuchs © Courtesy Gerwald Rockenschaub und Krobath Wien




