Oskar Kokoschka, Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19, Leopold Museum, Wien, Inv. 623 © Leopold Museum, Wien / Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2013

Oskar Kokoschka, Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt

Nachdem sich die von Oskar Kokoschka leidenschaftlich geliebte Alma Mahler 1915 nach drei Jahren stürmischer Beziehung plötzlich von ihm getrennt hatte, meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und zog nach einem Kopfschuss und Lungenstich auch physisch schwer verwundet 1917 nach Dresden. Das Selbstbildnis von 1918/19 zeigt deutlich die unvergleichliche Sensibilität in den Porträts Kokoschkas, der es mit pastos sicherem Farbauftrag und sehr bewusst gewählter Gestik der Hände wie kaum ein anderer schafft, den Seelenzustand der Dargestellten auf die Leinwand zu bannen. Die seelische Krise des von der Geliebten Verlassenen und vom Krieg Zerrütteten wird fast körperlich fühlbar. Zahlreiche Briefe aus dieser Zeit unterschrieb Kokoschka mit „Leutnant Glahn“, einer Hauptfigur aus Knut Hamsuns Roman „Pan“, der sich nach der Entlassung aus dem Kriegsdienst in seiner Umgebung nicht mehr zurechtfand. Der unsichere, verstörte Blick und die Geste der an das Gesicht geführten Hand bringen die Verlorenheit des Künstlers deutlich zum Ausdruck und verstärken die emotionale Instabilität des Dargestellten.

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