Egon Schiele, Bildnis Wally Neuzil, 1912 © Leopold Museum, Wien, Inv. 453

  • Elisabeth vor Wally © Leopold Museum
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  • Elisabeth vor Wally © Leopold Museum
  • Wally Briefmarke © Leopold Museum

Egon Schiele, Bildnis Wally Neuzil

Im Sommer 2010 sorgte die Rückkehr von Egon Schieles Meisterwerk »Wally« in das Leopold Museum für internationale Schlagzeilen. Das Gemälde war in den Jahren davor Gegenstand eines Rechtsstreits, der nun mit einem Vergleich zwischen den Erben einer früheren Besitzerin - Lea Bondi-Jaray - und dem Leopold Museum endete. So kam das Bild nach 12 Jahren zurück nach Wien. 1998 war es nach der Schiele Ausstellung im Museum of Modern Art beschlagnahmt worden und verschwand in einem Hochsicherheitsdepot. Seit Ende August 2010 ist das Bild nun wieder als Glanzstück der Sammlung im Leopold Museum zu bewundern.

Wer ist nun aber die auf dem Porträt dargestellte »Wally«?

Die mit weit geöffneten, übergroßen Augen aus dem Bild herausblickende Wally war für den jungen Schiele von enormer Bedeutung. Das ausgewogen komponierte Porträt stellt das Gegenstück zum etwa zeitgleich entstandenen „Selbstbildnis mit Lampionsfrüchten“ dar.

Wally wurde als Walburga Neuzil am 19. August 1894 im niederösterreichischen Tattendorf, südlich von Wien, geboren. Sie war Tochter einer Taglöhnerin und eines aus Böhmen stammenden Volksschullehrers, der jung starb, was die Familie dazu zwang, in die Hauptstadt zu übersiedeln, wo etwa 1911 die schicksalshafte Begegnung mit Schiele stattfand. In den nächsten Jahren sollte Wally dem vier Jahre älteren Künstler Geliebte, Muse und Modell werden und sich darüberhinaus liebevoll um ihn kümmern. Als Schiele im April 1912 in Untersuchungshaft saß, brachte sie ihm Malsachen und eine Orange, die, wie Schiele in sein Tagebuch notierte, „das einzige Licht“ in diesen dunklen Tagen war. Der Hauptvorwurf, Entführung einer Minderjährigen, erwies sich als haltlos, dennoch verurteilte ihn das Gericht wegen der „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“. Insgesamt verbrachte Schiele 24 Tage im Gefängnis und malte einige Skizzen, darunter auch die Orangen.

Im Porträt von 1912 scheint Wally von Melancholie oder sogar Traurigkeit umgeben, es ist fast, als sähe sie bereits den Ausgang ihrer Beziehung zu Schiele: Im Juni 1915 heiratete dieser Edith Harms, die Tochter eines benachbarten Schlossermeisters, die verständlicher Weise die Trennung von Wally forderte. Bei einer letzten Aussprache in einem Wiener Café soll Schiele Wally noch den Vorschlag gemacht haben, zumindest einmal im Jahr gemeinsam Urlaub zu machen. Für beide Frauen war dies nicht akzeptabel. Wally versuchte, ein neues Leben zu beginnen und ließ sich zur Krankenpflegerin ausbilden. 1917 verließ sie Wien, um in Dalmatien tätig zu werden, wo sie am 25. Dezember desselben Jahres an Scharlach verstarb. Schiele hatte sie nach der Trennung nie wieder gesehen.

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