Egon Schiele, Der Häuserbogen ll ("Inselstadt") © Leopold Museum, Wien, Inv. 456

Egon Schiele, Der Häuserbogen II ("Inselstadt")

Als Sohn eines Bahnhofvorstands konnte Egon Schiele innerhalb des Habsburgerreichs gratis mit der Bahn fahren, was er auch ausnützte, vor allem, um immer wieder Krumau, die Heimatstadt seiner Mutter, zu besuchen. 1911 will er sogar überhaupt seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegen und malt eine Reihe von Stadtansichten, aber auch zahlreiche Aktbilder, für die er immer jüngere Modelle wählt. Als dies bekannt wird, nimmt die Bevölkerung daran großen Anstoß und Schiele zieht mit Wally Neuzil, mit der er in „wilder Ehe“ lebt, nach Neulengbach, wo er aus ähnlichen Gründen jedoch sogar in Untersuchungshaft landet.

Auch im Frühjahr 1915 schafft Schiele wieder einige Krumauer Motive. Es war dies jene Zeit, in der er sein Nahverhältnis zu Wally löste und Edith Harms umschwärmte, die er am 17. Juni des Jahres heiraten sollte. Der Häuserbogen, zu dem es eine Version mit Bleistift gibt, ist aus seiner tatsächlichen Umgebung vollkommen herausgelöst, was ihm eine Dynamik gibt, die in der ihn säumenden Baumreihe noch deutlicher zum Ausdruck kommt, deren mittlere Partie wie von Zentrifugalkräften nach links gedrängt scheint. Das Orange der Häuser kommt im Werk Schieles in dieser Zeit öfters vor, beispielsweise auch in der zum Trocken aufgehängten Wäsche in der „Hauswand am Fluss“, ebenfalls ein Motiv aus Krumau und ebenfalls ein Hauptwerk des Künstlers.

Zurück zur Übersicht

Teilen und verbreiten

  • Share on WhatsApp
  • Share on Tumblr
  • Teilen per E-Mail