Elisabeth und Rudolf Leopold © Leopold Museum

DAS LEOPOLD MUSEUM

Fünf Jahrzehnte dauerte es, die Sammlung zusammenzutragen, seit dem Jahr 2001 hat sie ihren endgültigen Platz gefunden: Prof. Dr. Rudolf Leopold (1925-2010), leitete bis zum Ende seines Lebens das gemeinsam mit der Republik Österreich und der Österreichischen Nationalbank gestiftete und vom österreichischen Staat erbaute Museum. Es ist das größte und meist-besuchte des Wiener Museumsquartiers.

Kern der Sammlung ist die österreichische Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, darunter Hauptwerke von Egon Schiele und Gustav Klimt. Hier wird der Wandel vom Jugendstil zum Expressionismus Schritt für Schritt nachvollziehbar. Den kunsthistorischen Kontext vermitteln Spitzenwerke der österreichischen Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

In großzügigen, lichtdurchfluteten Sälen begegnet man neben Gemälden und Zeichnungen auch kostbarem Kunsthandwerk und Mobiliar aus der Zeit der Wiener Werkstätten, Originalstücken etwa von Adolf Loos, Otto Wagner und Josef Hoffmann. Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt sind Skulpturen Afrikas und Ozeaniens. Solche Objekte dienten vielen Künstlern der Klassischen Moderne als Inspirationsquelle.

Bis zum Tag der Übersiedlung ins Museum hat die Familie Leopold inmitten der Bilder gelebt, die Möbel und Gebrauchsgegenstände täglich benutzt. Was mit dem ersten Gemäldekauf des Medizinstudenten Rudolf Leopold begann, entwickelte sich zu einer wahren Kunstleidenschaft. 1994 stiftete Rudolf Leopold mehr als 5000 Werke mit einem Gesamtwert von geschätzten 575 Millionen Euro.

Der enorme Wertzuwachs ist vor allem dem Umstand zu danken, dass der Sammler lange vor anderen den Wert herausragenden einer Kunst erkannte, die allgemein verpönt war: Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Klimt und Schiele in Österreich nur von wenigen geschätzt, die Kunst Egon Schieles von vielen sogar verachtet. Rudolf Leopold hat nie auf die Urteile seiner Zeitgenossen gehört und setzte sich manches mal sogar bei Auktionen dem Spott anderer aus, so zum Beispiel als er 1954 unter dem Gelächter der Anwesenden einen damals noch als „entartet und pornografisch“ geltenden Schiele-Akt ersteigerte.

Leopold verließ sich beim Kaufen und Tauschen auf seine ästhetische Urteilskraft – und die Zeit gab ihm Recht. Aus der subjektiven Auswahl ist eine allgemein anerkannte Kulturinstitution geworden, ein Sammlermuseum, inhaltlich wie substantiell nicht mehr wegzudenken aus der Wiener Museums-landschaft. Der gewaltige Kubus aus hellem Muschelkalk prägt die Gestalt des gesamten MuseumsQuartiers. Im Inneren des Gebäudes gewinnt man Einblick in ein zentrales Stück österreichischer Geschichte und kultureller Identität.

Übersehenes zu entdecken war und ist des Sammlers Prinzip, das bis heute das Programm der Sonderausstellungen prägt. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der österreichischen Kunstgeschichte sind es oft Gegenüberstellungen künstlerischer Positionen, die neue Aspekte der Sammlung beleuchten.

Professor Leopold führte seine Erfolgsgeschichte im Gespräch gern darauf zurück, dass er die Begabung habe, mit seinen „künstlerisch sehenden“ Augen die Erschaffung eines Werks nachzuvollziehen. Rudolf Leoplds besondere Fähigkeiten lagen im genaueren Wahrnehmen, im geübten Vergleichen und inspirierten Hervorheben des Wichtigen. Stets brachte er seine subjektiven Gefühle und Stimmungen ein und nahm eine äußerst persönliche Auswahl, Reihung und Präsentation vor. So wurde der Stifter und Museumsgründer – ganz im Sinne der Wiener Secessionisten – zum Schöpfer eines Gesamtkunstwerks, das aus unbeirrbar avantgardistischer Haltung entstand. Das Leopold  Museum ist durch seinen Namen für immer mit dem Sammler verbunden, die Sammlung selbst ist Würdigung der österreichischen Kunst und Hommage an die Wiener Moderne.

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