Egon Schiele, Sitzender weiblicher Rückenakt mit rotem Strumpfband, 1914 © Leopold Museum, Inv. 2338

Provenienzforschung


Die Sammlung des Leopold Museums besteht vor allem aus der ehemaligen privaten Kunstsammlung von Prof. Dr. Rudolf Leopold (1925-2010). Der Frage nach der Herkunft der einzelnen Kunstwerke hat die Leopold Museum Privatstiftung seit ihrer Gründung 1994 immer große Bedeutung beigemessen.
Als Anfang 1998 nach einer Ausstellung im Museum of Modern Art zwei Schiele-Gemälde aus dem Eigentum der Stiftung beschlagnahmt wurden, war dies der Auftakt zu einer hitzigen Debatte. Der Streit um das „Bildnis Wally Neuzil“ konnte erst mit einem Vergleich im Jahr 2010 beendet werden.
Die Provenienzforschung des Leopold Museums orientiert sich an den methodischen Standards europäischer und amerikanischer Museen.
Auf die Privatstiftung findet das österreichische Kunstrückgabegesetz von1998 (welches die Republik zur Rückgaben von Kunstwerken ermächtigt) keine Anwendung. Die Stiftung versucht jedoch, der „Washington Conference on Holocaust Era Assets“ von 1998 gerecht zu werden und  strebt „faire und gerechte“ Lösungen in allen Fällen an, in denen sich herausstellt, dass Kunstwerke während der NS-Zeit Gegenstand von Entziehungen waren.
Das Leopold Museum ist hinsichtlich seiner Provenienzen um größtmögliche Transparenz bemüht und informiert in Vorträgen, Führungen und Publikationen über die Geschichte seiner Kunstwerke und ihrer Vorbesitzer.

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und die Leopold Museum Privatstiftung richteten im Mai 2008 eine Gemeinsame Provenienzforschung ein. Ihr Ziel ist, die Provenienzen des gesamten Museumsbestandes auf unabhängiger Basis zu erforschen und zu dokumentieren. Mag. Dr. Sonja Niederacher und MMag. Dr. Michael Wladika untersuchen seither alle Objekte, die vor 1938 entstanden sind, beginnend mit den Werken von Egon Schiele. Die Forschungsergebnisse werden als Dossiers zu einzelnen Werken kontinuierlich veröffentlicht.

Daneben setzte die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur ein Gremium unter Vorsitz von BM a. D. Dr. Nikolaus Michalek ein. Das Gremium soll auf Grundlage der Dossiers Beschlüsse dahingehend fassen, ob das Kunstrückgabegesetz I 1998/181 in der Fassung von I 2009/117 auf die jeweiligen Kunstwerke anwendbar wäre, stünden sie im Eigentum des Bundes. Auch die jeweiligen Beschlüsse werden publiziert. Somit erhält die interessierte Öffentlichkeit Einblick in die gesamte Arbeit der Gemeinsamen Provenienzforschung.

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