Richard Gerstl, Smaragda Berg, 1906/1907 © Leopold Museum Vienna, 2016

RICHARD GERSTL

1883-1908

Smaragda Berg, 1906/07
Öl auf Leinwand, 195 x 137 cm
Privatbesitz

 

Smaragda Berg (1886-1954) war die Schwester des Komponisten Alban Berg. Sie war so wie ihr Bruder Musikerin. Nach ihrer Ausbildung zur Pianistin bei dem bekannten Musikpädagogen Theodor von Leschititzky übte sie ihren Beruf als geschätzte Korrepetitorin aus.

So wie ihr Bruder zählte auch Smaragda Berg zum Freundeskreis des Komponisten Arnold Schönberg, zu dem auch der Maler Richard Gerstl gehörte. Gerstl schuf ihr Bildnis aus Anlass der Verlobung oder der im April 1907 erfolgten Heirat Smaragdas mit Adolf Alexander Ritter von Eger.

Die Gestaltung des Bildes ist noch stark jener kultivierten, am pointilistischen Stil orientierten Malweise verpflichtet, die für die frühen Werke Gerstls charakteristisch ist. Besondere Aufmerksamkeit widmete Gerstl der Wiedergabe des Innenraums, der sich hinter den offenen Türen des angrenzenden Zimmers öffnet. Der damals 24jährige Künstler befand sich in jenen Jahren noch in Ausbildung an der Wiener Akademie der bildenden Künste, hatte sich gerade mit seinem Lehrer Christian Griepenkerl überworfen und wechselte 1906 zum Lehrer Heinrich Lefler, mit dem er sich später gleichfalls zerstreiten sollte.

Schon damals lehnte Gerstl jegliche künstlerische Bevormundung vehement ab und entwickelte kurze Zeit später seinen einzigartigen expressiven Malstil, der den akademischen Konventionen radikal entgegenstand und teilweise einen nahezu visionären Vorgriff in die abstrakte Malerei späterer Jahrzehnte darstellt.

Dieser Text wurde von Franz Smola, Sammlungskurator am Leopold Museum, Wien, verfasst.

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