BiF Klimt © Leopold Museum, Wien

Gustav Klimt

(Baumgarten bei Wien 1862–1918 Wien)

Tod und Leben, 1910/11, umgearbeitet 1915/16
Öl auf Leinwand
180,8 x 200,6 cm
Leopold Museum, Wien, Inv. 630

1910 nahm Gustav Klimt seine Arbeit am Gemälde „Tod und Leben“ auf. Er dürfte sich aber schon während der beiden vorangegangenen Jahre mit der Idee zu diesem Werk getragen haben, wie zahlreiche vorbereitende Bleistiftstudien zeigen. Das Bild ist symmetrisch aufgebaut, die Figur des Todes und die Gruppe des Lebens stehen einander gleichwertig gegenüber. Der Tod erscheint als Gerippe, in ein langes, kimonoartiges Gewand gehüllt, das mit Kreuzformen und kreisförmigen Ornamenten gemustert ist. Passend zum Ernst der Figur dominieren die Farben Blau und Violett. Dem Tod steht die dichtgedrängte Gruppe des Lebens gegenüber. Ihr Zentrum bilden eine Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm, eine älteren, niedergebeugte Frau sowie ein gleichfalls nach vorne gebeugtes Liebespaar. Um diese Figuren herum gruppieren sich noch weitere Frauengestalten. Ihre nackten Körper werden von bunt gemusterten Stoffen verhüllt. In der Weise, wie die nur teilweise sichtbaren Aktfiguren mit ornamentalen Farbinseln abwechseln, lässt sich anschaulich Klimts Freude am Spiel von Verdecken und Enthüllen nachvollziehen. Klimt liebt diesen Wechseln von Verhüllen und Bloßlegen und entwickelt ein reizvolles Spiel zwischen den farbenprächtigen Ornamenten der Gewänder und den samtig weichen Tönen der menschlichen Haut. Die Figuren verharren in sich gekehrt, ihre Augen sind geschlossen, ihre Körperhaltungen verraten Ruhe und Entspannung. Fast scheint es, als ob sie sich der Gefahr des Todes nicht bewusst sind oder diesen nicht wahrhaben wollen. Der Tod lauert mit einem Knüppel in der Hand, mit grinsendem Gesicht und seinen Blick unverwandt auf die Menschen gerichtet, stets bereit, seine Opfer zu fordern. Verträumte Glückseligkeit und unmittelbare Gefahr liegen eng beisammen. Klimt erzählt vom Kreislauf des Lebens, von der Gleichzeitigkeit des Glücks der Liebe und der Mühsal des Alters.

„Tod und Leben“ wurde unter dem Titel „Der Tod“ erstmals 1911 auf der Internationalen Kunstausstellung in Rom 1911 der Öffentlichkeit präsentiert, Klimt erhielt dafür eine Goldene Medaille. 1912 war es auf der Internationalen Kunstausstellung in Dresden zu sehen, diesmal bereits unter seinem jetzigen Titel „Tod und Leben“. Aus nicht näher bekannten Gründen entschloss sich Klimt 1915 zu einer Überarbeitung des Bildes. Vor allem die Gestalt des Todes veränderte er grundlegend, zur Gruppe des Menschenstromes fügte er weitere Figuren hinzu. Zudem übermalte er den ursprünglich bräunlichen Hintergrund in einer eisigen, blaugrauen Farbe, wodurch sich die Spannung zwischen den fröhlichen, warmen Farben der Lebensgruppe und der Kälte der Umgebung noch erhöhte.

Das Original finden Sie im Leopold Museum in der Sammlung Leopold, Wien 1900.

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