Erwin Wurm, Landadel, 2006 © Privatbesitz, Foto: Studio Erwin Wurm © Bildrecht, Wien, 2017

Erwin Wurm

Geb. 1954

Landadel | 2008
Silbergelatineabzug
80 × 69 cm

Zu Spitzwegs Darstellungen von erfolglosen Freizeitjägern und geforderten Schulmeisterlein gesellt sich Erwin Wurms Fotografie Landadel (2006), die einen adrett gekleideten Herrn zeigt, der mit stolzgeschwellter Brust in Jägerkleidern posiert. Sein Hund entstammt keiner Jagdhund-Zucht und steht – als scheinbares Gegenstück zum Raubtier-Teppich – zu Herrchens Füßen. Der von Wurm präsentierte Landadel hat seinen Ursprung im Ausdruck „Landed Gentry“, der im England des 16. Jahrhunderts den untitulierten Landadel bezeichnete. Dieser weitete sich auf das gehobene Bürgertum und den „niederen“ Adel aus. Der Landadel bezog seinen Unterhalt durch Verpachtung von Ländereien und bekleidete Ämter nur aus Prestigegründen.

Die dargestellten (Freizeit-)Beschäftigungen in Spitzwegs Werken ebenso wie in Wurms Landadel dienen nicht dem Überleben, sondern werden einzig aus Repräsentationsgründen verfolgt. Eine repräsentative Körperhaltung nimmt auch Wurms elegant gekleidete Skulptur Cajetan (2009) ein, die dem „Freizeitjäger“ der Fotografie als Pendant gegenübersteht. Wurms Sarkasmus drückt sich hierbei in der Verkleinerung der Körpermaße sowie im Fehlen von Kopf, Armen und Händen aus. Letztere werden einzig über Ausbuchtungen in den Hosentaschen angedeutet. Wie die geöffnete Fußstellung, die ein sicheres Auftreten impliziert, werden sie jedoch als „leere Gesten“ der Repräsentation offenbart.

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