Egon Schiele, Selbstbildnis mit gestreiftem Hemd, Collage © Leopold Museum, Wien, 2017

EGON SCHIELE

1890–1918

Selbstbildnis mit gestreiftem Hemd, 1910
Schwarze Kreide, Gouache auf Papier, 44,3 x 30,5 cm
Leopold Museum Wien

 

Ein junger Mann blickt mit großen, fragenden Augen in die Welt. Die Augen, die hohe Stirn und das buschig widerspenstige Haar scheinen das Geistige zu betonen. Zierlich und schmal wirkt der Hals, auf dem der fast überdimensional wirkende Kopf sitzt. Mit knappen Strichen umreißt Schiele den Oberkörper, auffällig ist der farbig aquarellierte Ärmel als kompositorisches Gegenspiel zum Kopf.

Auch im Farbigen erreicht der Künstler volle Souveränität. In den Hauptpartien des Gesichtes kontrastiert das Grau der Stirn mit dem hellen Rot der Wangen, wozu noch spurenweise Blau kommt. Die dunkelbraunen Haare werden mit Lila angereichert.

Die Arbeit ist in jeder Beziehung eine singuläre, persönlich geprägte Meisterleistung, an der überlegter Aufbau und intuitive Ausführung gleichermaßen ihren Anteil haben. 

 

Dieser Text wurde von Birgit Summerauer, Kuratorin und Leiterin des Egon Schiele Dokumentationszentrums, verfasst.

Das Original finden Sie im Leopold Museum in der Ausstellung "Egon Schiele".

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