BiF Farbenrausch:Alexej von Jawlensky, Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), 1912 © Osthaus Museum, Hagen

Alexej von Jawlensky

1864–1941

Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), 1912
Öl auf Hartfaser, 55 x 51 cm
Osthaus Museum, Hagen

Ein Schmuckstück der Farbmalerei, von feurigem Rot dominiert. Mit kälteren Tönen durchsetzt, wird im Turban dieses Rot zu Purpur, der Herrscherfarbe der untergegangenen Reiche. Man möchte weiters an die Wangen der Matrjoschkas denken, schließlich aber auch die seltenen, aber umso kräftigeren Farbakzente in der russischen Ikonenmalerei; nicht von ungefähr besteht im Russischen eine homonyme Verbindung zwischen den Wörtern „rot“ und „schön“.      

Gebannt konzentriert blickt die junge Exotin aus dem Bild. Als würden sich in diesem Blick alle seelischen Leidenschaften und alles Geistige zu einer magischen Kraft verdichten. Nur selten teilt sich das scheinbar Naive mit einer derartigen Universalgültigkeit mit, etwa in der Kalligrafie der ottonischen Evangeliare, in den heiteren und zugleich abgründigen Visionen des Georgiers Niko Pirosmani, in der Bildnerei der „Geisteskranken“ und schließlich auch jener der Kinder. „Ich konnte schon früh zeichnen wie Raffael, aber ich habe ein Leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind“, sagte einmal Pablo Picasso.

Es könnte sich bei der Dargestellten um die Malerin Katharina Konstantinowka handeln, eines der wenigen identifizierbaren Modelle Alexej von Jawlenskys in den Jahren 1911 und 1912. Das Gemälde steht am Gipfel einer Entwicklung, die bereits 1908 eingesetzt hatte. Damals konnte der polnische Maler Wladislaw Slewinski, ein Freund und glühender Verehrer von Paul Gauguin, seinen russischen Kollegen dazu bewegen, die filigrane „Kleckserei“ der Neoimpressionisten zugunsten eines flächigen Farbauftrags aufzugeben. In Murnau entstanden 1910 Bilder, in denen Gauguins Cloisonismus eine Synthese mit der bayrischen Hinterglasmalerei einging. Ein Jahr später malte Jawlensky eigenen Aussagen zufolge nur noch „aus einer inneren Ekstase heraus“.

Dieser Text wurde von Ivan Ristić, Co-Kurator der Ausstellung, verfasst.

Teilen und verbreiten

  • Share on WhatsApp
  • Share on Tumblr
  • Teilen per E-Mail