BiF Carry Hauser © Leopold Museum, Wien

Carry Hauser

1895–1985

„Strandbad Kritzendorf. Entwurf für ein Deckelinnenbild einer Zigarettenpackung“, 1928
Aquarell auf Papier, 19 x 26 cm
JTI Collection Vienna

Das städtische Bürgertum sucht in den 1920er und 1930er Jahren in dem rund 20 Kilometer von Wien donauaufwärts gelegenen Naturbad Kritzendorf an der Donau Abkühlung von der Sommerhitze. Der Wiener Maler und Grafiker Carry Hauser (1895–1985) zeigt in seinem 1928 entstandenen Aquarell das bunte Treiben der Badegäste, die sich in Badekostümen zwanglos um einen Musikpavillon scharen, wo gerade eine Musikkapelle aufspielt. Zwei Paare schwingen sogar das Tanzbein. Jenseits des breiten Donaustroms taucht hinter sanften Hügeln die Burg Kreuzenstein auf. Die Malweise des Aquarells entspricht dem Stil der Neuen Sachlichkeit, gut erkennbar an der Schärfe der Konturen und an der klaren und übersichtlichen Aneinanderreihung der Motive.

Carry Hausers Aquarell entstand aus Anlass eines Wettbewerbs, zu dem die Österreichische Tabakregie 1928 einlud. An dem Wettbewerb beteiligten sich rund 40 Künstlerinnen und Künstler, darunter Mitglieder der Künstlergruppen Secession und Hagenbund sowie Mitglieder der Wiener Werkstätte und des Werkbundes. Viele der eingereichten Arbeiten wurden in verkleinertem Maßstab zum Schmuck für die Deckel von Zigarettenpackungen herangezogen. Unter den Beträgen befanden sich auch viele Arbeiten von Künstlerinnen, was für die damalige Zeit sehr fortschrittlich war.

Die Österreichische Tabakregie war damals der Monopolist in der Zigaretten- und Zigarrenproduktion in Österreich. In den 1920er Jahre begann die Firma, die Verpackungen für ihre Produkte besonders anspruchsvoll und originell zu gestalten. Bald erreichte das Design für die Produkte ein so hohes Niveau, dass die Londoner Zeitschrift »Advertising Display« Österreich als Schrittmacher auf dem Gebiet der Tabakpackungen bezeichnete. Die aktuelle Ausstellung „Flüchtige Schönheit. Kunst und Design der 1920er Jahre aus der JTI Collection Vienna“ im Leopold Museum zeigt rund 150 Exponate, die sich in großer Vielfalt mit dem Thema Tabak auseinandersetzen.

Dieser Text wurde von Franz Smola, Sammlungskurator im Leopold Museum, Wien, verfasst.

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