Ernst Barlach, Der singende Mann, 1928 © Privatbesitz

  • Ernst Barlach, Der Raecher, 1914 © Privatbesitz
  • Ernst Barlach, Aus dem Zyklus »Tod«: Tod greift in Kinderschar, 1934 © Leopold Museum, Wien Inv. Nr. 2916
  • Ernst Barlach, Brustbild einer Arbeiterfrau mit blauem Tuch, 1903 © Privatbesitz
  • Ernst Barlach, Heimarbeit. Bildmotiv für das Plakat »Deutsche Heimarbeit Ausstellung 1925«, 1925 © Privatbesitz
  • Ernst Barlach, Inspiration © Leopold Museum, Wien Inv. Nr. 1806
  • Ernst Barlach, Maria und Elisabeth (lll. Fassung), 1930 © Leopold Museum, Wien Inv. Nr. 2262
  • Ernst Barlach, Pieta, 1937/38 © Privatbesitz
  • Ernst Barlach, Selbstbildnis, 1920 © Privatbesitz
  • Ernst Barlach, Selbstbildnis, 1928 © Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg
  • Ernst Barlach Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
  • Ernst Barlach Ausstellungsübersicht © Leopold Museum

Ernst Barlach

und Käthe Kollwitz

13. Februar 2009 bis 25. Mai 2009

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Ernst Barlach Haus Hamburg
- Stiftung Hermann F. Reemtsma

Das Leopold Museum präsentiert das Werk von Ernst Barlach (Wedel 1870 – 1938 Rostock)  in der bisher umfangreichsten Retrospektive in Österreich. Mehr als 40 Skulpturen und über 100 Zeichnungen stellen das Œuvre eines der bedeutendsten deutschen Expressionisten dem Publikum in Wien vor. Eine Gegenüberstellung von ausgewählten Arbeiten der Künstlerin Käthe Kollwitz ergänzt die Schau.

Barlachs Werk kann man zusammenfassend als Aufschrei der unterdrückten Kreatur verstehen, zugleich aber findet sich in den Darstellungen die Innigkeit, die stille Größe des einfachen Menschen, wie etwa bei der alten Bauersfrau oder dem Flöte spielenden Hirten, aber auch eine intensive Gestik, so etwa im „Wiedersehen“ zwischen Christus und Thomas.

Seine Modelle, meist Vertreter des Arbeiter- und Bauernstandes, fand Barlach in Deutschland und während seines Russlandaufenthaltes 1906. Das Werk von Ernst Barlach ist, wie er selbst, im Norden verwurzelt. Frankreich, Russland und Italien waren seine Zwischenstationen. Er kehrte jedoch wieder nach Norddeutschland zurück, um in Güstrow sein Hauptwerk zu schaffen. Während zu Beginn des letzten Jahrhunderts Maler und Bildhauer im Fernen und Exotischen das "Neue" suchten, wollte Barlach dies im Vertrauten, in seiner eigenen Kultur finden.

Ernst Barlachs Frühwerk ist von Symbolismus und Jugendstil beeinflusst. Er kann sich bei Aufenthalten in Frankreich zunächst nicht für die Kunstwerke Rodins begeistern und gelangt erst nach einer Russlandreise im Jahr 1906 zu seinem kompakten, eigenständigen Stil. 1910 richtet er sich ein Atelier in Güstrow ein und übersiedelt dorthin. Er reduziert die Körper seiner Figuren auf das Nötigste. Ab 1926 nimmt er öffentliche Aufträge für Ehren- und Mahnmale an. Sie werden nach 1933 entfernt oder zerstört und 1945 wieder erneuert. In der Zeit des Nationalsozialismus gelten seine Werke als „entartete“ Kunst.

Während dieser schweren Jahre findet Barlach einen Förderer in dem Hamburger Fabrikant Hermann F. Reemtsma, der von ihm Zeichnungen und Skulpturen erwirbt. Reemtsma erteilt Barlach 1934 den Auftrag, den „Fries der Lauschenden“ zu vollenden. Hermann F. Reemtsma zählte auch nach dem Tod des Künstlers 1938 zu dessen wichtigsten Fürsprechern und machte Ende der fünfziger Jahre seine Sammlung von Werken Ernst Barlachs der Öffentlichkeit in Form einer eigenständigen Stiftung dauerhaft zugänglich.

1960 gab Reemtsma den Auftrag zur Errichtung eines Museumsbaus in Hamburg, der zur Entstehung des Ernst Barlach Haus, wie vom Stifter gewünscht in Elbnähe, führte. Das Museum beherbergt die bedeutendste Barlach-Sammlung. Die meisten Leihgaben dieser Ausstellung stammen aus dem Barlach Haus.

Das Wesen der Kunst Ernst Barlachs besteht vor allem darin, seiner Hinwendung und Liebe zum Menschen in Zeichnung und Skulptur Ausdruck zu verleihen. Sein Werk wird als Symbol einer Zeit des Umbruchs erkannt. Hatte Barlach 1914 noch begeistert den Krieg begrüßt, wurde er in der Folge persönlicher Erlebnisse zum überzeugten Pazifisten. Seine nach 1918 entstandenen Kunstwerke drücken häufig eine tiefe Spiritualität aus, die sich in ruhigeren Formen und geschlossenen Konturen manifestiert.

Inspiriert von Ernst Barlach wurde auch die leidenschaftliche Pazifistin Käthe Kollwitz (1867-1945), die sehr am Tod ihres Sohnes durch den Krieg litt. Kollwitz’ Ausdruck der Spiritualität erklärte sich wie bei anderen zeitgenössischen Künstlern aus der Verzweiflung über Not und Elend der verarmten Bevölkerung. Ihre Werke zählen neben denen Barlachs zum Eindrucksvollsten im Kunstschaffen des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Verwandtschaft im Schaffen der beiden fast gleichaltrigen Künstler
Ernst Barlach und Käthe Kollwitz ist unverkennbar, gleichwohl stellt sich die Beziehung zwischen ihnen künstlerisch keineswegs nur als eine harmonische Übereinstimmung dar.

Die in Kooperationspartnerschaft mit dem Ernst Barlach Haus - Stiftung Hermann F. Reemtsma Hamburg, realisierte doppelte Werkschau spürt den zahlreichen persönlichen und künstlerischen Berührungspunkten zwischen Ernst Barlach und Käthe Kollwitz nach, verdeutlicht aber auch die zwischen ihnen bestehenden Kontraste. Durch die Gegenüberstellung von Werken entfaltet sich ein künstlerisches „Zwiegespräch“.

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