Josef Maria Auchentaller, Plakat Seebad Grado, 1906 © Wien Museum

  • Josef Maria Auchentaller, Porträt von Peter, 1906 © Leopold Museum, Wien.
  • Josef Maria Auchentaller, Zeichnung für Ver Sacrum, 1901 © Leopold Museum
  • Joseph Maria Auchentaller, Elfe am Bach, 1898/99 © amp-Vienna, 2009
  • Joseph Maria Auchentaller, Josef Maria Auchentaller in der X. Secessionsausstellung 1901 vor dem Gemälde »Die Medizin« von Gustav Klimt © Archiv Erben Auchentaller
  • Joseph Maria Auchentaller, Plakat Aureol, 1898 © Wien Museum
  • Joseph Maria Auchentaller, Plakat VII. Ausstellung Secession, 1900 © Wien Museum
  • Joseph Maria Auchentaller, Porträt Emma, 1901 © Archiv Erben Auchentaller
  • Joseph Maria Auchentaller, Selbstporträt, 1931 © Archiv Erben Auchentaller
  • Joseph Maria Auchentaller, »Bunte Bänder« (Porträt von Maria), 1912 © Archiv Erben Auchentaller
  • Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
  • Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
  • Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
  • Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
  • Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller Ausstellungsübersicht © Leopold Museum
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Jugendstil pur! Josef Maria Auchentaller

1865 - 1949. Ein Künstler der Wiener Secession

11.Juni 2009 bis 21.September 2009

Josef Maria Auchentaller (Wien 1865 - Grado 1949) war einer jener Künstler, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Wiener Kunstrevolution teilgenommen hatten. Der Maler und Grafiker war mehr als ein Jahrzehnt lang aktiver Protagonist der Secession, die 1897 von Gustav Klimt in Wien gegründet worden war. Er hatte, teilweise auch als Verantwortlicher, an vielen der um 1900 organisierten Secessionsausstellungen mitgewirkt und mit der Zeitschrift „Ver Sacrum”, dem offiziellen Organ der Secession, zusammengearbeitet. Seine Entscheidung, Wien schon im Jahr 1903 zu verlassen und zusammen mit seiner Frau Emma das „touristische” Abenteuer in Grado zu wagen, isolierte ihn vorzeitig vom Wiener Ambiente.

Auch der Kunstkritik ist es in den vergangenen Jahrzehnten nicht leicht gefallen, Auchentaller in den Kreis der Wiener Secessionskünstler einzuordnen. Von seinen Verdiensten ganz abgesehen, hat die Schwierigkeit, seine Werke auszumachen (viele befinden sich in Privatsammlungen der Erben), mit dazu beigetragen, dass der Künstler wenig oder gar nicht bekannt ist. Die unveröffentlichte Doktorarbeit von Vera Vogelsberger (Innsbruck, 1985) stellt den einzigen Beitrag aus jüngerer Zeit dar, und sie ist auch als erster seriöser Versuch zur Neuordnung und Katalogisierung von Auchentallers Gemälden und Grafiken anzusehen.

Die Bereitschaft der Erben, die Werke auszuleihen, der Wunsch, das Œuvre eines noch so wenig bekannten Künstlers an die Öffentlichkeit zu bringen, und die Überzeugung, dass die wahre Bedeutung der Wiener Secession gerade durch einen immer breiter gefächerten Überblick über die Kunstprotagonisten der Jahrhundertwende erfasst werden kann, haben den Anstoss zu dieser Ausstellung gegeben, die als Wanderausstellung konzipiert wurde. Nach der ersten Etappe in Gorizia, wo sie in den Musei Provinciali (Landesmuseen) im Palazzo Attems-Petzenstein zu sehen war, und nach Bozen wird sie im Jahr 2009 im Leopold Museum in Wien gezeigt.

Die Ausstellung umfasst rund 300, in acht Sektionen unterteilte Werke: Gemälde, Zeichnungen, Studien, Plakete, Entwürfe, Schmuckstücke und Fotografien, von denen viele noch niemals präsentiert wurden. Der künstlerische Werdegang Auchentallers wird seiner Ausbildung in Wien und München über die einschneidende Beeinflussung durch die Secession bis zu seiner Reife verfolgt, als er sich nunmehr in Grado niedergelassen hat, wo er sich der Landschafts- und Porträtmalerei widmet. Zur Ausstellung erscheint ein vom Kurator Roberto Festi herausgegebener zweisprachiger Katalog (italienisch-deutsch, 240 S., Edizioni esaExpomostre), in dem alle ausgestellten Arbeiten aufgelistet und kritisch kommentiert werden.


Josef Maria Auchentaller (Wien 1865 - Grado 1949)

Der in Wien-Penzing in einer aus Südtirol stammenden Familie geborene Josef Maria Auchentaller besucht von 1882 bis 1886 die Technische Hochschule in Wien und vom Jahr 1890 an die Akademie der bildenden Künste, und er wird in dieser Zeit mit mehreren Preise und Prämien ausgezeichnet. 1897 unternimmt er eine Italienreise, von der er beachtlich viele Zeichnungen und Studien nach Hause bringt. Von 1892 bis 1896 lebt er in München, wo er mit der dortigen Secession in Kontakt kommt. Er arbeitet an der Zeitschrift Jugend mit, und dank seiner künstlerischen Reife wird er zu einem Protagonisten des damaligen Wiener Kunstlebens.

Er tritt der als „Secession” bekannten „Vereinigung der bildenden Künstler Österreichs” kurz nach der Gründung bei und bekleidet – von der V. bis zur X. Ausstellung (1899-1901) – auch eine Rolle im Organisationskomitee, verlässt sie aber 1905 gemeinsam mit den Künstlern der Klimt-Gruppe. Für diese Vereinigung, die den Beziehungen zwischen Wien und der zeitgenössischen Kunst eine völlig neue Ausrichtung geben sollte, gestaltet Auchentaller das Plakat und den Katalogumschlag der VII. Ausstellung (1900). Zur XIV. Secessionsausstellung (1902), auf der Max Klinger mit der Beethovenstatue vertreten ist, schafft Auchentaller den großen Fries Freude schönen Götterfunken, der dem von Gustav Klimt realisierten Beethovenfries gegenüberstand. Sein reiches Schaffen auf dem Gebiet der Porträtmalerei, der er sein ganzes Leben lang treu bleiben sollte, ist auf der X. Ausstellung im Jahr 1901 gut durch die Ganzfigur seiner Frau Emma vertreten.

Auchentaller ist ein rühriger Mitarbeiter der Zeitschrift „Ver Sacrum” (er gehört 1900-1901 auch dem Redaktionskomitee an), für die er zwei Titelblätter und zahlreiche im Inneren wiedergegebene Grafiken realisiert. Er greift dabei hauptsächlich auf Blumenmotive zurück und legt eine vom japanischen Holzschnitt beeinflusste linear-stilisierte Gestaltungsweise an den Tag. Das 8. Heft des 4. Jahrgangs (1901) ist gänzlich Auchentaller gewidmet, der dabei nicht nur als Grafiker vorgestellt wird, sondern auch in seiner aktiven Rolle auf kunstgewerblichem Bereich.

Im Jahr 1903 zieht er mit seiner Frau Emma, geb. Scheid und den Kindern Maria und Peter nach Grado, wo er entscheidend zum touristischen Aufschwung des Adriaseebads beiträgt. Nach einem Entwurf des Architekten Julius Mayreder ersteht die „Pension Fortino”, die von der Familie Auchentaller mit bewundernswertem Unternehmungsgeist geführt und bald zu einem beliebten Urlaubsziel des Wiener Großbürgertums wird. Für Grado entwirft er 1906 das berühmte, bei A. Berger in Wien gedruckte Plakat Seebad Grado. Österreichisches Küstenland, ein gelungenes Beispiel eines Kunstwerks, in dem sich das Flair und die Stimmung des Jugendstils widerspiegeln.

Von grundlegender Bedeutung sind auch Auchentallers verwandtschaftliche Beziehungen zu den Familien Scheid und Thonet, für die er zahlreiche Arbeiten entwirft – in einem „internationalen” Klima regen kulturelle Austauschs. Für die Schmuckherstellung von Georg Adam Scheid, die G.A.S. Silber-Schmuckfabrik, gestaltet der Künstler um 1900 verschiedene, stark vom Jugendstil geprägte Schmuckstücke.

Der Künstler wendet sich mit großem Interesse der Plakatkunst zu, deren Wirkungskraft zur Verbreitung von Ideen, Messages und Produkten ihm von Anfang an bewusst ist. So entwirft und realisiert er zahlreiche Werbeplakate, die sich – neben im „Plakatstil” gestaltet – durch starke Stilisierung und grafische Synthese auszeichnen: Aureol (1898); Schott und Donnath, Kathreiners Kneipp Malzkaffee (1899); Continental Pneumatik (1900); Internationale Fischereiausstellung, G.A. Scheid (1902).

Von 1904 an hält er sich jeden Sommer in Grado auf. Schon in dieser Zeit schwächen sich die Kontakte zum Wiener Kunstambiente und den dortigen Künstlerkollegen ab, während ihm die Freunde – die Maler Carl Moll, Alfred Roller, Wilhelm List und Maximilian Kurzweil und der Architekt Otto Wagner – gelegentlich Besuche abstatten. Von nun an wendet Auchentaller sich in seinem künstlerischen Schaffen – dessen Stil immer noch die für den Secessionismus typischen grafischen Elemente aufweist – überwiegend dem Porträt und der Landschaftsmalerei zu.


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